DER ALTARBAU IN GRÖDEN ZWISCHEN 1870 UND 1940


Der Altarbau und dessen Hauptfirmen



 
 
 
 
 
In den Jahren um 1900 war St. Ulrich in Gröden nicht nur ein weithin bekanntes Zentrum für die Herstellung von Holzstatuen, sondern auch für die Herstellung von Schnitzaltären: Der Altar war das Aushängeschild Grödens. Es verging damals keine Woche, in der nicht mindestens ein Holzaltar das Tal verließ, um seine Reise an einen meist fernen Bestimmungsort anzutreten. Gröden wurde in vielen Ländern der Erde gleichsam zum Synonym für historische Kirchenkunst, und in der Tat gehörte gerade der Grödner Altarbau zu den faszinierendsten Kapiteln der neueren Südtiroler Kunstgeschichte. Trotz des weltweiten Erfolges, der den Altären und Heiligenstatuen in St. Ulrich um 1900 beschieden war, hatte die Kunstwissenschaft oft Vorurteile gegenüber den erfolgreichen Grödner Unternehmen.
In künstlerischer Hinsicht kam 1821 der entscheidende Impuls: Die Gründung der Zeichenschule die durch die kaiserliche Regierung beschlossen wurde. Erster Lehrer war Jakob Sotriffer, ein gebürtiger Grödner.

Ab 1850 gab es einige junge Grödner die sich an die berühmte Münchner Akademie zur Weiterbildung begaben. Die bayerische Hauptstadt war das Zentrum für nazarenische Malerei. Nazarenische Bildhauer hat es bis auf einige Ausnahmen bis dahin nicht gegeben. Die Übersetzung der nazarenischen Ästhetik vom zweidimensionalen Bild in die dreidimensionale Skulptur sollte die Domäne der Grödner werden.
Im Laufe des 19.Jahrhunderts wurde die Nachfrage für Sakrale Kunst immer größer und der Absatz in ganz Europa verstärkte sich ungeheuer. Es gab eine ganze Welle junger engagierter Leute die das Werk der Bildhauerei erlernten und gute geschäftliche Fähigkeiten vorweisen konnten.

Dem künstlerischen Aufschwung im Tal kam dessen verkehrstechnische Anbindung an das österreichische Straßen- und Bahnnetz zugute. Ohne das Wechselspiel zwischen dem eigenen kreativen Potential und günstigen ökonomischen Rahmenbedingungen hätte es die Erfolgsgeschichte der Grödner Kirchenkunst nicht gegeben. So aber kam es in den Siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts nahezu gleichzeitig zur Gründung mehrerer großer Kunstanstalten, die Ihre Produkte professionell vermarkteten; vorwiegend nach Österreich-Ungarn, aber auch weit darüber hinaus. Über Triest, Genua, Rotterdam, Hamburg wurden sämtliche Erdteile bedient.
All dies führte zu einer großen Konkurrenz, dies war gut, es gab große und wichtige Firmen die somit auch eine starke Qualitätskontrolle durchführten.

Wichtige Firmen aus dieser Zeit die mehr als 20 Arbeiter beschäftigten waren: Ferdinand Stuflesser, Josef Rifesser zu Stufan, Leopold Moroder zu Scurciá, Dominik Demetz zu Janmeine, Ferdinand Demetz zu Cademia, Conrad Martiner und Joseph Rifesser. Auch aus der noch älteren Holzspielzeug Branche waren es mehr und mehr Firmen die sich auf Kircheneinrichtungen spezialisierten: Firma Insam & Prinoth (Insam und Prinoth) mit Sitz in St. Ulrich sowie in Nürnberg, Firma Johann Baptist Purger (J.B.Purger), Firma Senoner zu Costa, Firma Mauroner zu Gustin, Josef und Dominik Moroder, Gebrüder Moroder mit Sitz in Gröden und Offenburg (Ateliers für Kirchliche Kunst Gebrüder Moroder) ex Firma Franz Josef Simmler (Offenburg), Firma Mahlknecht (Ingenuin Mahlknecht und später Johann Baptist Mahlknecht), Firma Franz Moroder, Firma Runggaldier zu Janon (Joh. Dominik Runggaldier), Firma Leopold Moroder.

Eine Genossenschaftsbildung für gemeinsame Werbung, Qualitätskontrolle und Festlegung von Preisen hätte auch gegründet werden sollen (1906), dies wurde dann abgelegt. Das vorbereitende Komitee bestand aus: Alois Kostner, Ignaz Insam, Ingenuin Testor, Josef Rifesser, Franz Anvidalfarei, Ferdinand Stuflesser, Josef Obletter, Franz Irasek, Ferdinando Perathoner, Johann Baptist Moroder, Konrad Pitscheider und Joseph Rifesser. Im Jahre 1910 wurde dann doch die „Produktiva“ (Erste Produktiv-Genossenschaft der Erzeuger von kirchlichen Kunstgegenständen zu St. Ulrich in Gröden) gegründet, dies war eine Zusammenschließung verschiedener Grödner Verleger. Ferdinand Demetz zum Beispiel gründete sogar seine eigene Kunstschule und Lehrwerkstätte. Fotografien, originale Modelle aus alten Werkstätten und Prospektmaterial geben außerdem einen lebendigen Einblick in die große Zeit des Altarbaus. Das Ende der meisten Firmen kam mit dem ersten Weltkrieg bzw. mit dem Zusammenbruch der Donaumonarchie. Die große Blütezeit war vorbei, nur wenige Firmen haben überlebt und nur entschlossene Unternehmer haben dies möglich gemacht. Es wurden neue Märkte und neue Kunden gesucht um auf diesen Wege die Erfolgsgeschichte des Grödner Altarbaus fortzusetzen. Die älteste und traditionsreichste Firma, die im 21. Jahrhundert immer noch die wertvolle Geschichte weiter schreibt ist die Firma Ferdinand Stuflesser 1875. Ein Altar wurde sogar auf Hawaii geliefert.


Die historischen, nicht mehr aktiven Firmen im Überblick:

  • Anton Demetz
  • Christian Mahlknecht (dann Stuflesser Giuseppe)
  • Christian Rabiser
  • Conrad Martiner
  • Dominik Demetz
  • Erste Produktiv Genossenschaft
  • Ferdinand Demetz
  • Ferdinand Stuflesser
  • Franz Jirasek (F. Irasek Resturator)
  • Franz Martiner, Holzbildhauer
  • Franz Moroder
  • Franz Schmalzl (Josef Schmalzl)
  • Franz Sotriffer
  • Gebrüder Moroder (Franz Josef Simmler)
  • Ingenuin Mahlknecht
  • Insam & Prinoth
  • J. Anton Comploj
  • J.B. Perathoner
  • Josef Anton Mussner (J. A. Mussner)
  • Johann Baptist Mahlknecht
  • Johann Baptist Purger
  • Johann Dominik Runggaldier
  • Josef & Dominik Moroder
  • Josef Höglinger
  • Josef Rifesser
  • Josef Rungaldier (Josef Runggaldier)
  • Josef Sontheimer (Restaurator)
  • Josef Stuflesser (ex Firma Christian Mahlknecht, später Giuseppe Stuflesser)
  • Konrad Skasa (Slovenac Konrad Skaza)
  • Leopold Moroder
  • Mauroner zu Gustin
  • Senoner zu Costa
  • Siegfried Demetz
  • St. G. Langer
  • Vincenz Insam
  • Vinzenz Bernardi
  • Vinzenz Pezzei (Altarbauer in Salzburg)
  • Vinzenz Senoner
 
 
 
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Ferdinand Stuflesser 1875 Ohg
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